Unterrichtskunst

Jody aus San Francisco vergleicht den Lernprozess mittels Comprehensible Input mit einem Güterzug, der langsam anfährt, aber bald mit hoher Geschwindigkeit fahren wird.

„Darauf müssen wir vertrauen. Wenn wir das nicht tun, ist der Zugewinn geringer, die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern wachsen, und der Klassenlernprozess wird schwerfällig und macht es so immer schwerer, ALLE zu unterrichten.“

Ben kommentiert:

„Unsere Schüler können nur eine gewisse Menge an Klängen, Bildern oder Gedanken auf einmal verarbeiten. Dies gilt sogar für die Oberstufe, wenn sie nur ein Bruchteil der für fließendes Sprechen notwendigen Anzahl von Unterrichtsstunden erhalten (z.B. rund 1.000 statt der erforderlichen 10.000 Stunden).

Meiner Ansicht nach war das 20. Jahrhundert eines der verfehlten Kunst, und das 21. Jahrhundert wird noch viel schlimmer werden. Zu viele Worte werden zu schnell gesprochen. Zu viele Maschinen buhlen um die zarten Blumen der Aufmerksamkeit und Neugier von Kindern. Bilder, viele von ihnen gewalttätig, rauschen in nie dagewesener Geschwindigkeit durch die Köpfe unserer Kinder.

Folglich ist es nicht verfehlt zu sagen, dass wir im Erziehungsbereich unsere Augen vom wahren Zweck der Erziehung abgewendet haben, der meiner Ansicht nach darin besteht, die Wahrnehmung dessen zu fördern, was uns mit so viel Liebe vor die Füße gelegt wird.

Wir haben die Chance, das Künstlerische wieder in den Unterricht zu bringen. Wir können mit unseren Schülern wirklich einfache Geschichten, Gespräche, personalisierte Fragen und Antworten und so weiter gestalten. Wir können das Gefühl des Eins-Seins durch ein Netz der Verbundenheit aller mit allen wieder in unseren Klassenraum bringen, wenn wir nur bedächtig genug arbeiten und die Dinge einfach halten.

Wir müssen keinesfalls der negativen Energie der mentalen Verwirrung weichen, nur weil sie überall in und um die Schule herum vorhanden ist und versucht, unser Klassenzimmer zu infiltrieren, indem sie unter der Tür hindurchkriecht oder im Innern eines iPads daherkommt oder in Gestalt von roboterhaften Verwaltungsbeamten, die kein Gespür dafür haben, worum es in der Erziehung geht – um schlichte Würdigung der Dinge.

Wir können unseren Unterricht vereinfachen und ihn künstlerisch gestalten. Menschen reagieren besser auf das Einfache als auf das Komplexe. Wir können Raum schaffen zwischen unseren Worten und Sätzen. Wir können dem Bedürfnis widerstehen, schnell sprechende, Anerkennung heischende Clowns zu werden. Wir können unseren Unterricht kristallklar gestalten. Wir können bei einem Bild verweilen, bei der ersten Station in einer Geschichte und aufhören, Anfänger in der Fremdsprache mit mehr akustischen und optischen Signalen zu überfluten als sie handhaben können.“

Durch Verzicht auf künstlich erhöhtes Tempo könnte auch ein Auseinanderfallen einer Klasse in zwei unterschiedlich schnell verarbeitende Gruppen vermieden werden.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.