Weniger ist mehr!

Auf der Seite von „ZEIT ONLINE“/Schule steht immer noch ein bedeutender Artikel der Ausgabe 33 von 2011: Das will ich nicht wissen. Christoph Drösser berichtet von Erkenntnissen namhafter Psychologen, Bildungs- und Hirnforscher.

Demnach stehen einem immer größeren Bildungsangebot der öffentlichen Schulen immer schlechtere Ergebnisse gegenüber. Doch der scheinbare Widerspruch ist keiner:

„Sondern dass, im Gegenteil, unsere Schüler viel mehr wissen könnten – wenn sie weniger lernen müssten.“

Die Schule in Deutschland versuche, so der Psychologe Thomas Städtler, „ein absurd hochgezüchtetes Ideal von Wissen und Bildung umzusetzen“:

„Sie schafft das aber nur bei einigen wenigen Prozent, und bei einem großen Rest akzeptiert man, dass er im Wesentlichen mit Fleiß Leistungen gewissermaßen vortäuschen kann.“

„Kürzt die Lehrpläne um 90 Prozent!“ ist folglich Städtlers Forderung. „Weniger ist mehr.“ sagt der Hirnforscher Gerhard Roth.

 „Man muss dem Gehirn die Zeit geben, frisch gelerntes vom Arbeits- ins Langzeitgedächtnis zu schaufeln. Das geht nicht ohne Pausen nach jeder Lerneinheit, ohne ständige Wiederholungen, aber auch scheinbar simple Dinge wie ausreichenden Schlaf. Allerdings erfordert all das eine radikale Entschleunigung des Schulbetriebs.“

Ein Loblied der Langsamkeit und der Gründlichkeit! Der Artikel schließt mit dem meist gehegten Wunsch deutscher Pädagogen: Mehr Zeit!

Der Erwerb einer Fremdsprache mit Methoden des Comprehensible Input stellt genau diese Forderungen an einen Unterricht, der zu wirklichen Erfolgen führen soll. Das entspannte Unterrichtsgespräch zwischen zwischen echten Menschen in überschaubaren sozialen Zusammenhängen ist Voraussetzung für dauerhaften Spracherwerb.

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Ein Kommentar zu Weniger ist mehr!

  1. Mathias Maurer kommentiert die Hattie-Studie in der Erziehungskunst vom April 2013:
    „Doch wie entwickelt der Lehrer seine Lehrerpersönlichkeit, wie bildet er sich zu einem Menschen, dem die Schüler gerne folgen in seinen Gedanken, seinen Handlungen und der sie zugleich zur eigenen Freiheit und Selbstständigkeit führt? (…) Und wenn es dafür Seminare gäbe, (…) so beschleicht einen doch das Gefühl, dass eine ‚geliebte Autorität‘ (Rudolf Steiner) zu sein etwas ist, was einige sind und andere, trotz aller Übung, nicht.
    Rudolf Steiner benannte drei wirksame Lernmotive: Furcht, Ehrgeiz und Liebe. Denn Schüler funktionieren auch, (…) wenn Furcht und Ehrgeiz alles diktieren. Das zeigen die Bildungsspitzenreiter Japan und Korea. Dieser Leistungsbegriff arbeitet nur mit Druck und Zwang und der seelische Preis ist hoch. Bleibt das Motiv der Liebe.
    Das Motiv der Liebe kann allerdings nur wirksam werden, wenn unser aller Einstellung dazu, was gelernt werden soll, sich ändert.“

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