Le Huitième Jour

Suchen Sie einen bewegenden und motivierenden Film in französischer Sprache, den nicht jeder schon kennt, den es nicht mit deutscher Sprachfassung auf DVD und selbst im Ausland nicht überall zu kaufen gibt? Dann versuchen Sie es einmal mit dem belgischen Film „Le Huitième Jour“ von Jaco van Dormael (zu beschaffen am besten hier). Das Script zum Film gibt es antiquarisch über die gleiche oder ähnliche Adressen ebenfalls noch zu kaufen.

Zum Inhalt: Georges ist ein Mann mit Down-Syndrom und lebt in einem Heim. Er mag die Musik von Luis Mariano, ist verliebt in seine Mitbewohnerin Nathalie und liebt seine Mutter, die sich früher rührend um ihn gekümmert hat, über alles. Eines Tages macht er sich mit seinem Köfferchen auf den Weg zum Haus seiner Mutter und begegnet auf der Landstraße Harry, dem Verkaufstrainer einer großen Bank, dessen Frau sich von ihm getrennt hat und mit den beiden Töchtern in einem Haus an der Küste wohnt. Obwohl Harry alles versucht, gestaltet es sich gar nicht so einfach, seinen neuen Bekannten wieder loszuwerden. Nach und nach entwickelt sich eine besondere Freundschaft zwischen den ungleichen Männern und Harry lernt allmählich wieder wahrhaft zu leben. Wie wird es für beide nach dieser schicksalhaften Begegnung weitergehen?

Der Film ist besonders für eine 11. Klasse gut geeignet. Zunächst mache ich eine Einführung (natürlich auf Französisch): Welche asiatischen Länder kennt ihr? Welches Land liegt zwischen China und Russland? Wie heißt seine Hauptstadt? Wie heißen seine Bewohner? Wie sieht die Landschaft aus? Was ist der Unterschied zwischen einem Mongolen (un Mongol) und einem Mongoloiden (un mongoloide/un trisomique)?

Da der Film mit der Schöpfungsgeschichte, so wie Georges sie sieht, beginnt, wiederholen wir die Schöpfungsgeschichte der Bibel und ich kontrastiere diese mit den ersten Schöpfungstagen nach Georges. Am Anfang war nichts, nur die Musik, flüstert Georges, und man hört „Mexico“ von Luis Mariano. Das spiele ich auch gleich den Schülern vor; dabei können sie den Text mitlesen. Nachdem ich alle Schöpfungstage geschildert habe (man kann immer wieder fragen: Was sieht man dazu wohl im Bild?), lesen wir die Anfangsszene des Films, rekapitulieren die sieben Schöpfungstage und sehen die 1. Szene des Films.

In der Regel lesen wir eine oder mehrere Szenen, bevor wir sie uns anschauen. Die Dialoge sind zwar relativ unkompliziert, im Film aber nicht immer gut zu verstehen, weil einiges schnell oder (besonders von Georges) undeutlich gesprochen wird. In schwächeren Lerngruppen kann man einen Teil der Szenenbeschreibungen, die recht wortschatzreich sind, ohne Probleme weglassen.

In stärkeren Lerngruppen bietet sich an, ein wenig Filmtheorie auf Französisch zu betreiben (Dank an Gilberte!): Was ist ein Story-board? Welche verschiedenen Bildeinstellungen, Perspektiven, Kamerabewegungen gibt es? Was wird zu welchem Zweck eingesetzt? Man kann Beispielszenen analysieren (Standfotos, schnell gemacht mit dem VLC-Player, erleichtern die Arbeit): Warum hat der Regisseur diese oder jene Einstellung gewählt? Man kann eine Szene lesen, selbst ein Story-board entwerfen lassen und dann mit den Originaleinstellungen vergleichen.

Auch bei der Arbeit an einem Film geht es natürlich um Comprehensible Input. Die Schüler sollen größere Mengen Text in kurzer Zeit weitgehend oder wenigstens zum Teil selbständig lesen und bringen sich (unbewusst) damit ohne große Mühe sprachlich weiter. Der Lesefluss soll nicht durch umfangreichere Analyseaufgaben gestört werden. Am Ende der gemeinsamen Arbeit kann sich ja noch eine größere Aufgabe anschließen: Gesamtresümee des Films, Analyse eines Entwicklungsprozesses, Analyse der Rolle der Mutter für Georges, Formulierung einer differenzierten Meinung zum Film.

Den Trailer zum Film findet man im Netz, z. B. hier.

Wenn Sie noch Tipps zur Beschaffung des Szenarios benötigen, kontaktieren Sie mich gern.

 

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